Die Spiritualität des Karsamstags

Am Karsamstag werden in der katholischen Kirche keine Messen gefeiert. Die Heilige Kommunion darf nur in Form der Sterbesakramente gespendet werden, also an Sterbende auf ihrem Weg in die Ewigkeit. An diesem Tag werden auch keine Trauungen oder andere Sakramente gespendet, mit Ausnahme der Beichte und der Krankensalbung.

Der Karsamstag ist in der katholischen Kirche eine Zeit der Stille und Besinnung. An diesem Tag gedenken die Christen des Leidens und des Todes Christi sowie seines Abstiegs in die Unterwelt und warten auf die Auferstehung. Nach Einbruch der Dunkelheit wird die Osternacht gefeiert - die wichtigste Liturgie des Jahres.

In einer antiken Predigt zum Karsamstag, bekannt als „Predigt über den Abstieg Christi in die Unterwelt“ (Sermo in Sabbato Sancto), lesen wir: „Gott ist im Fleisch gestorben und hat die Unterwelt erschüttert. Er geht hinab, um den ersten Menschen zu finden. (…) Der Schlaf meines Todes wird dich aus dem Schlaf des Abgrunds wecken. Der mir mit der Lanze versetzte Stoß hat die gegen dich gerichtete Lanze zerbrochen.“

Am Karsamstag nach Einbruch der Dunkelheit wird in der Kirche die wichtigste Liturgie des Jahres gefeiert, die sogenannte Osternacht, die bereits zum Fest der Auferstehung des Herrn gehört.

So wie die Juden die ganze Nacht wachen und auf das Kommen des Herrn warten, der sie aus der Knechtschaft des Pharaos befreien soll, so warten die Christen auf die Auferstehung Christi, der die Fesseln des Todes zerbrochen hat, als Sieger aus dem Abgrund hervorgegangen ist und den Menschen die Befreiung von Sünden und ewigem Tod schenkt.

Die Liturgie der Osternacht besteht aus vier Teilen. Der erste Teil ist die Lichtliturgie, die vor der Kirche mit dem Ritus der Weihe des Feuers und der Osterkerze beginnt – einer Wachskerze, die den auferstandenen Christus, das „Licht der Welt“, symbolisiert.

Der Priester zeichnet mit einem Stichel ein Kreuz auf der Osterkerze, darüber den griechischen Buchstaben Alpha, unter dem Kreuz den Buchstaben Omega und in die vier Felder zwischen den Armen des Kreuzes die Ziffern des laufenden Jahres. Dabei spricht er laut und deutlich: „Christus gestern und heute. Anfang und Ende. Alpha und Omega. Ihm gehören Zeit und Ewigkeit. Ihm Ehre und Herrschaft.“

Anschließend zieht die Prozession in die dunkle Kirche ein. An der Spitze wird der Osterkerze getragen. So wie die Söhne Israels in der Nacht der Feuersäule folgten, so folgen die Christen den Spuren des auferstandenen Christus. Das Licht der Osterkerze breitet sich allmählich auf die Kerzen aus, die von den Gläubigen gehalten werden. Danach wird das Exsultet - die Osterbotschaft - gesungen. Es ist ein alter Hymnus, der die Herrlichkeit des göttlichen Erlösungswerks preist - vom Sündenfall Adams bis zur Erlösung, die in Christus vollbracht wurde. Im Exsultet wiederholt sich mehrmals der Satz: „Es ist dieselbe Nacht, in der du einst unsere Väter, die Söhne Israels, aus Ägypten geführt hast.“

Die Kirche zeigt damit, dass das Geheimnis der Auferstehung Christi nicht das Gedenken an eine bestimmte Geschichte ist, sondern deren Vergegenwärtigung, das heißt, dass es hier und jetzt geschieht.

Der zweite Teil der Osternachtfeier - die Wortgottesdienstfeier - besteht aus neun Lesungen, die von Psalmen und Gebeten unterbrochen werden. Die ersten sieben stammen aus dem Alten Testament und erinnern an wichtige Momente in der gesamten Heilsgeschichte - angefangen bei der Schöpfungsgeschichte über die Bewahrung Abrahams, von dem Gott das Opfer seines Sohnes verlangte, bis hin zur Durchquerung des Roten Meeres. Von der Liebe Gottes, dem Bund und der Wirksamkeit des Wortes Gottes zeugen wiederum Auszüge aus dem Buch des Propheten Jesaja. Der Zyklus der alttestamentlichen Lesungen endet mit Gottes Verheißung der Reinigung und Verwandlung des Menschen.

Der dritte Teil der Osternacht ist die Taufliturgie. Nach der Allerheiligenlitanei weiht der Zelebrant das Taufwasser, indem er den Osterkerzenstiel in das Gefäß mit Wasser taucht. Anschließend erneuern die Gläubigen ihre Taufversprechen, indem sie dem Satan und allem, was zum Bösen führt, entsagen und ihren Glauben an Christus bekennen. In der Tradition der Kirche empfangen zu dieser Zeit Erwachsene das Sakrament der Taufe. Während der Taufliturgie besprengt der Priester die Gläubigen mit dem geweihten Wasser.

Die Feier der Eucharistie bildet den vierten Teil der Osternacht und zugleich ihren Höhepunkt. Sie ist die Feier des Opfers des Leidens, des Todes und der Auferstehung Christi.

Zum Abschluss der Liturgie werden die Speisen für das Osterfrühstück gesegnet. Unverzichtbare Bestandteile des Osterfrühstücks sind: Brot - Symbol für den Leib Christi, Ei - Symbol für das wiederauferstehende Leben und Salz - Symbol für die Einfachheit des Lebens. In den Weihkorb kommen auch Wurstwaren, Meerrettich und sogar Kuchen.

 

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